Gnadenhöfe | Auch Tiere haben Anspruch auf Rente
Was, wenn es keine Gnadenhöfe gäbe?
Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie aufgrund eines körperlichen Gebrechens "beseitigt" werden sollten? Eine schreckliche Vorstellung, die einem einen kalten Schauer über den Rücken jagt, nicht wahr?
Genauso passiert es aber mit vielen Tieren. Diese haben nicht die Chance, zu widersprechen. Sie werden einfach aussortiert, weil sie für die Maschinerie Mensch keinen objektiven Nutzen mehr haben.
Zum Beispiel alternde Pferde, die kräftemäßig keine Kutschen mehr ziehen oder Reiter über Hindernisse transportieren können. In dem Fall wird den Tieren der Stempel "ausgedient" verpasst und sollten sie auch noch auf irgendeine Art krank werden, stellen sie für den Menschen nur noch einen unnützen Kostenfaktor dar.
Die letzte Reise führt dann meistens eingepfercht in viel zu kleinen Viehtransportern lange Strecken über die Autobahn zu großen Schlachtfabriken oder besser gleich direkt zum örtlichen Schlachter, der Salami aus Ihnen macht. So zu sagen, um noch einen letzten Zweck zu erfüllen.
Klingt grausam, ist aber leider Realität.
Dabei sind die Tiere nicht dumm, nur weil sie alt und krank sind. Sie spüren ganz genau, was mit ihnen passieren soll und stehen Höllenängste durch.
die Funktion der Gnadenhöfe
Zum Glück gibt es landesweit sogenannte Gnadenhöfe, auch Auffangstationen genannt. Hier finden ausgesonderte Vierbeiner ein neues Heim, wo sie ihre letzten Lebensjahre in Würde verbringen dürfen.
Oft geht es ihnen auf diesen Höfen sogar besser als vorher in ihrem "richtigen Leben". Denn hier finden sie Zuwendung, Pflege, Liebe und Vertrauen und können ohne Leistungsdruck und -anforderungen einfach alle Viere gerade sein lassen.
Nicht nur Pferde und Ponys werden in derartigen Einrichtungen umsorgt, sondern auch Hunde, Katzen und allerlei anderes Getier wie Geflügel, Nagetiere, Schweine bis hin zur Kuh.
Gnadenhöfe übernehmen die Fürsorge
Die Vielfältigkeit der in solchen Gnadenhöfen lebenden Tiere, drückt auf bildliche Weise die Unfähigkeit des Menschens aus, sich anständig um ihre früheren Gefährten zu kümmern. Es reicht eben nicht, sich mal eben schnell ein Pony an zu schaffen, damit man die Attraktion in der Nachbarschaft ist. Oder einen Hund, nur weil im Fernsehen eine Tiersendung lief, in der gerade diese Rasse als besonders pflegeleicht vorgestellt wurde.
Nein, ein Tier zu halten bedeutet, sich artgerecht zu kümmern und ihm Fürsorge und Geborgenheit zu geben. Dazu erfordert es ein Mindestmaß an Zeit, womit sich vor Anschaffung gedanklich befasst worden sein sollte.
Wie finanzieren sich Gnadenhöfe?
Natürlich leben die Tiere auf den Gnadenhöfen nicht allein von Luft und Wasser. Ausreichend Futter für jede Tierart ist selbstverständlich. Finanziert wird dies durch freiwillige Mitgliedschaften und Spenden von Tierfreunden. Auch Patenschaften werden geschlossen.
Gnadenhöfe, Balsam für die Seele von Mensch und Tier
So können beispielsweise Kinder aus Familien, die sich selber kein eigenes Tier leisten können, ganz nah bei ihrem Liebling sein. Die Vorfreude auf einen Besuch auf dem Hof und die Nähe zum Tier sind Balsam für die Seele. Sowohl für Mensch wie auch Tier.
Sehen Sie einem alten Pferd doch mal in die Augen und lesen Sie darin seine Gefühle. Das Vertrauen und die Bindung zu ihrem menschlichen Paten sprechen eine ganz eigene Sprache und lässt sie vielleicht sogar zum ersten Mal in ihrem Hunde-, Katzen-, Pferde-, oder Schweineleben erfahren, dass der Mensch nicht nur ihr ehrgeiziger Trainer und Wurstwarenesser ist.